Kann man als Mensch ein vollkommenes Leben führen? Ist es dem Menschen allein durch sein Wesen möglich, für alle Zeiten glücklich und zufrieden zu sein?
Ausnahmslos jede Handlung eines ausnahmslos jeden Menschen basiert auf Egoismus. Die viel gehörten Behauptungen, es gäbe auch „gute“ Menschen, die nicht ständig auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, sind Fehlinterpretationen.
Auch der Barmherzige handelt egoistischen Beweggründen barmherzig. Nur die „gute“ Tat gibt ihm das wohlige Gefühl richtig gehandelt zu haben. Würde der vermeintlich gute Mensch eine arme Seele im Regen stehen lassen, würde er sich selbst schlecht fühlen, da sein Gewissen ihm sagt, er habe falsch gehandelt. Zur Vermeidung dieser negativer Gefühle handelt er, wie es sein Gewissen ihm vorschreibt. Es geht dabei nicht um das Wohl des Mitmenschen, sondern um die Abwendung auftauchender Schuldgefühle.
Ein jeder Mensch wird sich stets für den ihm angenehmsten Weg entscheiden. Aus diesem Grunde schlossen sich die Menschen zu einer Gesellschaft zusammen. Sie tauschten individuelle Macht gegen Sicherheit. Zwar siegte in einem präzivilisiertem Kampf für gewöhnlich der Starke, doch ihm war bewusst, dass auch er beraubt oder getötet werden konnte. Entweder durch einen noch Stärkeren, durch eine Überzahl an Schwächeren, im Schlaf, in der Krankheit, oder im Alter.
Im neu gebildeten Staate herrschte nun Sicherheit, da Mord und Diebstahl unter Strafe gestellt wurde. Die gesamte Menschheitsgeschichte basiert demzufolge, wie bereits erwähnt auf rein egoistischen Gründen jedes Einzelnen.
Da der Mensch auf möglichst viel individuelles Glück zustrebt, bewegt sich die Zivilisation immer weiter hin zum idealen Staat. Kann dieses angstrebte Ideal zum absoluten Glück für jedermann führen?
Angenommen sei, dass es in diesem fiktiven Staat keine Unterschiede mehr zwischen den einzelnen Völkern, Geschlechtern oder Glaubensrichtungen gibt. Jeder Mensch ist vollkommen gleichwertig zu seinem Nebenmann. Es sei weiterhin angenommen, dass sämtliche Krankheiten geheilt wurden, dass die Geburt völlig schmerzfrei von Statten geht, und dass die Gebrechen des Alters ebenfalls der Vergangenheit angehören. Alle schweren Arbeiten, ja so gut wie alle Arbeiten wurden von Maschinen übernommen und die einzige Arbeit des Menschen beschränkt sich auf die Überwachung dieser Maschinen für wenige Stunden am Tag. Seine Freizeit wurde somit maximiert.
Materielle Güter sind nach kommunistischem Vorbild gleich unter allen Menschen aufgeteilt. Niemand müsste seinen Nebenmann um irgendetwas beneiden oder ihm aus irgendeinem Grunde nach dem Leben trachten. Jeder hat was er braucht und kann tun was immer er will.
Sind diese Menschen glücklich? Es liegt in der Natur des Menschen, dass sie es nicht sein können. Durch die Abwesenheit von Leid werden die Glücksmomente nicht mehr erkannt. Das Leben wäre schal, leer und langweilig. Und was ist niederdrückender, quälender als anhaltende Langeweile?
Zusammengefasst hat der Mensch also zwei Wahlmöglichkeiten im Sein:
- ein schmerzloses, ideales aber leeres und nicht zu ertragendes Leben, oder
- ein Leben, das gekennzeichnet ist von Leiden
Wieso wird also nach wie vor von dem „Wunder der Geburt“ gesprochen, wo es sich doch um ein Diktat, um eine Gefangennahme handelt?
Warum halten die Menschen so krampfhaft an ihrem bisschen Leben fest, wo es ihnen im Nichts viel besser gehen würde?
Weshalb wird der Schöpfer, der uns in dieses Seinsgefängnis gesteckt hat, immer noch so lauthals gepriesen?
Wieso wird der Selbstmord immer noch dämonisiert, wo der Suizidant doch lediglich seine Geburt widerruft, die ihm aufgezwungen wurde?